German (v5)

Tao-te-King. Älteste und Lehrer als Führer zum Wege Gottes und zum echten Leben.

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Seid die Verkörperung der Wege Gottes

"Weg Gottes (oder rechter Weg) ist eigenen Geistes, Wollens und Könnens Weg; es ist verkehrt, wenn durch Gesetz bestimmt wird, was rechter Weg sei. Rechte Sprache (oder rechtes Wort) ist eigenen Geistes, Wollens und Könnens Sprache; es ist verkehrt, wenn durch Gesetz bestimmt wird, was rechte Sprache sei. Frei waren die Sprachen im Anfang des Reiches; es durften behalten ihre Sprache die Mütter des zahlreichen (des eingeborenen) Volkes. (Die Alten sagten: "Wer Hüter im Geistigen sein will, mache offenbar seine Geistigkeit. Wer Hüter des Besitzes sein will, mache offenbar seine Selbstbeschränkung.")* Jene zwei Menschenarten hierzulande bildeten (jede für sich) eine Gemeinschaft, und ferner unterschieden sie sich durch ihre Sprache. Die Schwarzen waren eine Sprachgemeinschaft. Die Amtsträger der Schwarzen waren Schwarze."

Die Völker als Wohnungen geistiger Kräfte entfalten ihre Eigenart

"Als das Reichsoberhaupt die Untervölker alle gleich machte und sie Schönheitsbegriffe lehrte und bildete nach diesen Schönheitsbegriffen, da wurden sie zwiespältigen Wesens, die Herzen wurden Trug und Schein; das war das Ergebnis. Als es alle gleich machte und Tugendbegriffe lehrte und bildete nach diesen Tugendbegriffen, da wurden sie zwiespältigen Wesens, sie verloren ihre Tüchtigkeit; das war das Ergebnis. - Die Alten sagten: "Erdhaft oder lichtentflammt: an den Bäumen erschauet, wie das Leben sich entfaltet! Stark oder schwach: an den Bäumen erschauet, wie das Wesen sich entwickelt! Lang oder kurz: an den Bäumen erschauet, wie der Wuchs sich gestaltet! Hoch oder niedrig: an den Bäumen erschauet, wie man sich zusammenfügt! Sprachbegabt oder tönekundig: an den Bäumen erschauet, wie man zusammenstimmt! Vorauseilend oder nachhinkend: an den Bäumen erschauet, wie die Gesellschaft sei!" - Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Zurückhaltung - nicht Handanlegen ist sein Regieren. Wandel - nicht Reden ist sein Belehren. Dem eingeborenen Volke läßt er seine Art und verwirft sie nicht. Er läßt es sein Wesen entfalten und knechtet nicht. Er hält die Hand über es und nützt es nicht aus. Er läßt es seine Arbeiten vollbringen und steht nicht (als Aufseher) dabei. Als Helfer betreut er, ohne dabeizustehen. Richtig ist sein Verhalten, wenn er nicht ab- und zugeht."

Friede dem eingeborenen Volke (den "Kindern der Erde")

"Man treibe nicht Günstlingswirtschaft als Obere: Das bewirkt, daß im Volke nicht Eifersucht herrscht. Man wertschätze nicht schwer zu erwerbende Güter: Das bewirkt, daß das Volk nicht Diebstahl verübt. Man schaue nicht an, was Begierden erwecken kann: Das bewirkt, daß die Herzen nicht in Versuchung kommen. - Richtig verhält sich als Walter ein Sin, der umhergeht als Heiler: Er zeigt leidenschaftslos sein Herz, sättigt seinen Leib (mit rechter Speise), beherrscht seine Willenstriebe, hält kräftig seine Knochen. Hauptgrundsatz des Ordners sei, daß das Volk Geistiges erlerne, Geistiges erstrebe. Wer angestellt ist als Helfer und Lehrer, gehe nicht wild und schroff darauf los als Betreuer von Sin und Yü. Er halte die Hand über Sin und Yü, indem er Freiheit läßt, er halte die Hand über das Volk, indem er ein Beispiel gibt, und alles ist heil und in Ordnung."

Man ist abgekommen vom Ursprung

"Der Weg Gottes wird gestürmt und ist anzuwenden im Wandel. Zweifelnde gewinnen ihn nicht. Den Abgrund, wahrlich, erbt das zahlreiche (eingeborene) Volk, das hinläuft zur Halle des (fürstlichen) Urahn. Zurückstoßen soll es seine Eiferer, sich freimachen von seinem Ubertünchten, sich vereinigen mit seinen Lichtbegabten, absperren seine Lasterhaften! - Durch Eintauchen ins Wasser die Kindschaft des Besagten erlangen? Ich begreife nicht, wie man dadurch die Kindschaft erlange und Ebenbild von des Herrschers Urahn werde!"

Den Dörfern Selbstentwicklung und Verwaltung

"Das Reichshaupt soll den Ländern nicht die Gesittung der Sin aufzwingen; man lasse das eingeborene Volk sich bilden wie Gräser und Tiere! Der waltende Sin soll nicht Gesittung der Sin aufzwingen; man lasse die hundert Geschlechter sich bilden wie Gräser und Tiere! Des Reiches Länder sind verschiedener Art. Selber sollen sie ihre Tanzspiele und Tonfeste planen! Sind sie auch dürftig, so doch nicht verdreht. Wenn auch roh, doch immer edler sich gestaltend. Das viele Befehlen macht armselig, und sie kommen nicht dazu, ihr Inneres zu bewahren."

Vollkommene Urbilder

"Der Täler Geist darf nicht sterben! Darum heißt es: "Den Schwarzen die Mütter! Bei den Schwarzen geht von der Mutter aus der Sippe Ordnung." Wiederum heißt es (im Buche des Hoang-ti): "Das Reichshaupt sei der Länder Stütze!" Zum Spinnen, Weben, Pflanzenpflücken, Sammeln und Verarbeiten kommen sie (die Eingeborenen) dann ohne Zwang."

Man suche Lichtbegabte aus

"Das Reichshaupt ist Vorsteher der Länder für dauernde Zeit. Die vom Reichshaupt für die Länder als Machthaber und Altarvorsteher für dauernde Zeit erhoben worden sind, wurden nicht erhoben, um sich selbst zu leben. - Die Alten sagten: "Der Machthaber sei Förderer des Lebens." - Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er stellt sein Selbst hintan, und doch ist sein Selbst voran; er stellt sein Selbst beiseite, und doch ist sein Selbst des Volkes Halt. Ist es nicht also: Weil der Erhobene selbstlos ist, hört die Gemeinde auf seine Stimme! - Die Alten sagten: "Machthaber sei, der sein Selbst vollendete.""

Vielgestaltig sind die Wesensanlagen

"Die Wohltätigkeit der Oberen des höheren Altertums war gleich dem berieselnden Wasser. Wohltätig wie berieselndes Wasser förderten sie das eingeborene Volk und vergewaltigten nicht. An den Orten, wo (heute) die Leute der Sin hinkommen, herrschen die Laster. - Die Alten sagten: "Im Kleinsten gehe man Gottes Weg." - Für Ortsverwaltung taugt, wer (gleichen) Landes ist. Für die Herzen taugt, wer ihre Tiefen kennt. Für die Spende taugt der Wohlwollende. Für das Richteramt taugt der Erfahrene. Für Geschäftsführungen taugt der Geschickte. Für Unternehmungen taugt, wer die Zeit versteht. Der Helfer sei Betreuer, nicht Eiferer. - Die Alten sagten: "Nirgends Übertreibung!""

Des Glückes Mörder

"Wer ein Amt bekleidet und es überschreitet, soll nicht dessen Ende erreichen. Wer in der Probezeit ist und zu scharf vorgeht, taugt nicht als Vorsteher und Volksältester. Mit Gold und Edelstein gefüllte Halle wird keines Mannes Kraft bewahren. Wer Reichtum rafft als Hochgestellter und dazu noch hochmütig ist, zieht selber seinen Sturz herbei. Den Dienst vollbringen, dem Namen entsprechen, sein Selbst zurückstellen: so geht das Oberhaupt den rechten Weg."

Befähigt, die Hand zu halten über Sin und Yü

"Die Seelen eines Heerlagers einnehmen und zusammenfassen zu einer einzigen, dazu ist befähigt, wer ungeteilten Wesens ist. Ursprünglich halten die Lebenskräfte, daß sie weich und biegsam bleiben: dazu ist befähigt, wer jugendhaft ist und kindlicher Art. Klären und läutern der Schwarzen Irrkenntnis: dazu ist befähigt, wer rein geistig die Hand hält über Sin und Yü. Des Himmels (d. i. des Herrscherpalastes) Tore öffnen: dazu ist befähigt, wer Volk betreut wie eine Mutter. Erklären und erläutern die vier Wege: dazu ist befähigt, wer nicht schulmeistert. Das Leben fördern, indem inan die Ernährung fördert, das Leben sich entfalten lassen und nicht knechten, die Hand über Sin und Yü halten und nicht Nutzen suchen, Vorsteher sein und nicht Beherrscher: das heißt, "den Schwarzen ihr echtes Leben lassen"."

Das Licht ist das Wirkende

"Dreißig Speichen laufen in einer Nabe zusammen; gemäß ihrem lichtten Raum ist der Wagen Brauchbarkeit. Man erweicht Ton, womit man Gefäße macht; gemäß ihrem lichten Raum ist der Gefäße Brauchbarkeit. Man bohrt Türen und Fenster, um Wohnungen zu machen; gemäß ihrem lichten Raum ist der Wohnungen Brauchbarkeit. Darum sagten die Alten: "Das Irdische macht Nützlichkeit, das Lichte wirkt die Brauchbarkeit.""

Die Begierden zähmen

"Alle fünf Farben machen des Menschen Augen blind. Alle fünf Töne machen des Menschen Ohren taub. Alle fünf Würzen machen des Menschen Gaumen stumpf. Rennsport und Hetzjagd machen des Menschen Herz verroht. Schätze schweren Erwerbs machen des Menschen Wandel irr. - Richtig verhält sich als Walter ein Sin. Er leitet die Herzen zur Innerlichkeit, nicht leitet er sie zur Äußerlichkeit. - Die Alten sagten: "Laßt fahren, was vergangen ist, ergreifet das Nahe!""

Meiden was das Herz ängstigt

""Gnade wie Ungnade ist wie in Angst sein." - "Ehrfurcht als Großer ist wie ein Leiden am Körper." - Was besagt: "Gnade wie Ungnade ist wie in Angst sein?" - Die Gnade des Machthabers erniedrigt. Wer sie erstrebt, ist wie in Angst, und wer sie verliert, ist wie in Angst. Das besagt: "Gnade wie Ungnade ist wie in Angst sein." - Was besagt: "Ehrsucht als Großer ist wie ein Leiden am Körper?" - Ist wer als Hüter irgendwo erhoben für den Besitz, so ist des Großen Sorge, wie er die Hand halte über Sin und Yü als Hüter und bewahre sein Selbst. Bringt er es fertig, selbstlos zu sein als Hüter des Besitzes, wie könnte er dann in Angst sein? - Eine alte Weisung sagt: "Wer als Volksbetreuer des Reiches Völker wertschätzt wie sich selbst und ein Beispiel der Willfährigkeit gibt, ihn erhebe man und übergebe ihm des Reiches Völker! Wer als Volksbetreuer des Reiches Länder liebt wie sich selbst und ein Beispiel der Willfährigkeit gibt, ihn erhebe man und vertraue ihm an des Reiches Länder!""

Wenn Schwarze mit Abgaben zum Oberen kommen

"Er sehe sie an und entferne Zuschauer und lasse sich in ihrer Sprache Verletzungen erzählen. Er höre sie an und entferne Horcher und lasse sich in ihrer Sprache Wünsche vortragen. Er nehme sie bei der Hand und entferne Bücklingmacher und lasse sich in ihrer Sprache Heimlichkeiten berichten. Was jene Drei (Könige) anlangt, so will ich kein Urteil fällen. Die Alten berichten, daß sie Vermischung trieben und Sin und Yü einförmig machten. Jene, die Oberen, verloren (dadurch) ihre weiße Art, und diese, die Unteren, verloren ihre schwarze Art. Nach Richtschnuren wurde gedrillt, ach, und nicht mehr durfte man die Muttersprache reden! - Man kehre um und kehre zurück zum Geistigen des Wesens! Richtig ist gesagt: Weg mit den verkommenen Bildern! Fort mit den entarteten Formen! Von vornen sieht man nicht ihr Antlitz, von hinten sieht man nicht ihren Rücken. - Halten wir fest am Weg des Altertums, so sind wir befähigt, den Tag der heutigen Zeit zu beherrschen, und befähigt, des Altertums Anfang zu erkennen. Es heißt: Die Wege Gottes gehen, ist: "weiter wirken an seinem Webseil"."

Wie echtes Leben sich offenbart

"Jene Tüchtigen des Altertums, welche die Hand hielten über Sin und Yü als Obere, waren zurückhaltend und brachten der Geistigkeit der Schwarzen Verständnis entgegen. Abgesondert sich haltend, verlangten sie nicht, daß man ihre Sprache verstehe. Als Helfer und Betreuer verlangten sie nicht, daß man ihre Sprache erlerne. Jene Alten sagten: "Wer die Gewalt hat, die Hand zu halten über Sin und Yü, lasse sie wandeln nach ihrer Art." - Aber sie nahmen teil, wenn man im Winter hinging, um die Bewässerungsgräben instandzusetzen. Berater waren sie, wenn man hinging, um Achtung einzuflößen ringsum den Nachbarvölkern. Zurückhaltend waren sie, denn sie waren als Gäste gekommen. Schwoll der Han-Fluß an, so eilten sie hin, wenn das Eis ging, um Hand anzulegen beim Abdämmen. Schlicht und redlich waren sie, und wohin sie kamen, ward Redlichkeit. Wüsten gab es, aber wohin sie kamen, wurden fruchtbare Täler. Wildbäche waren, aber wo sie hinkamen, wurde Bewässerung. Weil man reiche Ernten erzielen konnte durch Bewässerungen, legten sie solche an im Hsü-Gau und am Tjing-Fluß. Durch reiche Ernten waren sie imstande, das Volk zufriedenzustellen und Begeisterung zu wirken, und vorwärts kam im Hsü-Gau das Leben. Volksältester wurde, der Gottes Wege wandelte und nicht Nutzen suchte. Der Helfer sei Betreuer, nicht suche er Nutzen! Die Alten sagten: "Sind die Machthaber Übeltäter, so wird weder Gedeihen noch Wohlstand.""

Zurück zur Wurzel

"Höchste Angelegenheit der Dörfer ist die Erhaltung der Reinheit und Unvermischtheit. Wenn das eingeborene Volk seine Vereinigung herstellen will, darf man die Erforscher seiner Wiederherstellung an der Arbeit hindern? Die Helfer des Volkes sollen ausjäten das Unkraut, ausjäten fremdes Gewächs. Jeder Einzelne kehre zurück zu seiner Wurzel. Rückkehr zur Wurzel besagt: Reinen Wesens sein. Das heißt: Rückkehren zur Bestimmung. Rückkehren zur Bestimmung besagt: Zur Grundlage (zurückkehren). Seine Grundlage erkennen, besagt: Erleuchtet sein. Wer seine Grundlage nicht erkennt, verwildert, entsittlicht und verdirbt. Man erkenne die Grundlage und hege sie. Wer sie hegt, mag öffentlichen Dienst tun. Wer öffentlichen Dienst tut, mag Volkshaupt werden. Wer Volkshaupt ist, mag Reichshaupt werden. Wer Reichshaupt ist, soll Gottes Wege achten. Achtet er Gottes Wege, mag er dauernd Reichshaupt sein. Bis zum Ende seines Lebens bleibt er ungefährdet."

Unverfälschte Sitten

"Von den Großen des höheren Altertums merkten die Unteren kaum, daß sie da waren. Ihre nächsten Nachfolger waren, daß man sie liebte und lobte. Deren Nachfolger waren, daß man sie fürchtete. Deren Nachfolger waren, daß man sie verachtete. Die Alten sagten (zu den Volksbetreuern): "Ist eure Treue nicht genügend, so werdet auch ihr nicht Treue ernten." Die Eingeborenen, oh, sie sollen wertschätzen ihre Sprache, die Werke ihrer Kunst vollbringen, ihre Arbeiten vollenden, und die hundert Geschlechter alle sollen sagen: "Wir leben nach unserer Art.""

Wie die Sitten verfielen

"Die Großen fielen ab vom Wege Gottes und hielten sich an Sittengesetze und Rechtsordnungen. Weisheitslehren und Klugheitsregeln schossen empor, und daran hielten sich die Großen und Lügenlehrer. Die sechsgradige Familie hielt nicht mehr zusammen, man hielt sich an die Gesetze der Kindespflicht und Elternliebe. Die Gaue und Sippenverbände zerrütteten und verfielen, man hielt sich an Untertanengehorsam und Vasallenpflicht."

Zurück zinn Unverfälschten

"Fort mit den Weisheitslehren, weg mit den Klugheitsregeln, und des Volkes Wohl wird hundertfach gedeihen! Fort mit den Sittengesetzen, weg mit den Rechtsordnungen, und das Volk kehrt zurück zu Kindespflicht und Elternliebe! Fort mit den Erwerbskünsten, weg mit dem Zins, und Diebe und Räuber werden verschwinden! Jene "Drei" (Könige), die sich unterfingen, Sin und Yü zu bilden durch Schrifttum, sie erreichten nichts. Die Alten sagten: "Wer die Befehlsgewalt hat an seinem Platze, erweise sich lauter, gebe sich einfach, bändige den Eigennutz, beschränke seine Begierden!""

Wozu der Fremdlinge Sitten and Bräuche?

"Laßt ab, sie zu lernen, befreiet euch von diesen Sorgen! Helfen sie dem Fortschritt, mehren sie das Schöne? Seht zu, daß sie verschwinden, wie viele man schleppt! Ist gut für den Fortschritt, was Laster vermehrt? Seht zu, daß es verschwindet, wie sehr man ihm folgte! In den Hallen der Sin in Andacht stehen? - Nicht sollt ihr das, nicht sollt ihr da in Andacht stehen! O Wüste voll Unkraut, die kein Ende nimmt! Feiern die Leute der Sin ihre Feiertage, wie laufen die Weiber hin, wenn der Große das Opfer darbringt! Wie laufen die Weiber hin, wenn er im Frühling zur Berghalle hinaufsteigt! Ich und Eigenart verankern, o, das geschieht nicht durch Wahrsagen und Zeichendeuten! Wie laufen die Weiber hin mit ihren neugeborenen Kindern, mit Kindchen, die noch nicht lächeln können! Verloren sind sie, verloren, ach! Entwurzelte Menschen, die keinen Ort der Heimat mehr haben. Vom Volk der Sin strebt alles nach Überfluß, aber Ich und Eigenart sind so viel wie vernachlässigt. O, das Ich, der Eingeborenen wie der Sin, es kommt aus dem Innern des Herzens. O verfluchte Vermischung! Die Bräuche der Sin gelten als herrlich und glänzend. Das Ich verteidigen und die Eigenart wahren, gilt so viel wie blöde sein. Die Bräuche der Sin werden erforscht und geübt; das Ich verteidigen und die Eigenart wahren, gilt als gemein und erbärmlich. Wetterfahnen Ihr! Entwurzelte Pflanzen, die auf dem Meere treiben! Hin- und hergeworfene Röhrichtstengel Ihr! Entwurzeltes Gras, das den Standort verlor! Die Leute der Sin finden alle Verwendung, aber wer sein Ich verteidigt, die Eigenart wahrt, gilt als unbrauchbar für den Altar, als ein Bauer. Behauptet euer Ich, wahret die Eigenart, sondert euch ab von den Sin, und schätzet wert eure Kleidung, eure Speise, eure Sprache, euer Mutterrecht!"

Das Herz des Sippendorfes

"Ist der Obere echten Lebens in Wandel und Haltung, beherzigt er die Wege Gottes, so sind auch die Gehilfen richtig. Gottes Wege achten, ist: Sin und Yü sich bilden lassen nach ihrem Wesen. O beherzigt die Regungen des Herzens, beherzigt dies Unbegreifliche! O wie unbegreiflich sind die Regungen des Herzens! Sein Inneres enthält das Urbild. O wie unbegreiflich sind die Regungen des Herzens! Sein Inneres enthält das Wesen. O wie unergründlich, wie geheimnisvoll! Sein Inneres enthält das Geistige. Sein Geistiges ist das Höchste und Vollkommenste. Sein Inneres enthält das Echte, das Selbst des Urahn bis zum heutigen Tag. Seine Sprache darf man nicht aufgeben. Durch sie erschaut man des Volkes Anfang. Verhinderte man ihr Fortbestehen, wodurch wäre zu erkennen des Volkes Anfang und der Gang seines Lebens? Durch was? -"

Fördernd in "Demut

"Unvollkommenen seid ein Beispiel der Vollendung! Krummen ein Beispiel der Geradheit! Leeren ein Beispiel der Fülle! Veralterten ein Beispiel der Erneuerung! Schwachen ein Beispiel des Gelingens! Besitzenden ein Beispiel des Entsagens ! - Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er hegt das "Eine". Die Hand haltend über Sin und Yü als des Reichshauptes Unterwalter gibt er ein Beispiel. Nicht beschaut er Sich. Die Alten sagten: "Er soll Leuchte sein." Nicht Sich allein hält er für recht. Die Alten sagten: "Jedes Gefieder hat seine Schönheit." Nicht für sich hat er den Rang. Die Alten sagten: "Er hat ihn, daß Werke vollbracht werden!" Nicht Sich gilt seine Sorge. Die Alten sagten: "Beglücken soll er!" Als Helfer betreut er ohne zu eifern. Die Alten sagten: "Das Reichshaupt gab den Unterwaltern nicht die Macht, daß sie umhergehen als Eiferer." Die Alten, die ins Land kamen und sprachen: "Den Krummen ein Vorbild der Geradheit" - veredelten sie die Dörfer etwa durch Worte? - Wahrhaftig und vollkommen waren sie, und so ward Umkehr des Wandels."

Den Dörfern Freiheit

"Man rede wenig, sein Selbst lasse man leuchten! "Wirbelwind währt keinen Morgen lang." - "Platzregen währt keinen ganzen Tag." Wer bis jetzt als Volksbetreuer sich bewährte, werde Oberhaupt des Landes. Bei den Landeshäuptern der alten Zeit war die Macht nicht vererblich, und desto mehr von den Sin kamen dazu. Zu den Alten wurde gesagt: "Ihr Gehilfen in der Verwaltung wandelt Gottes Wege!" Wandeln sie die Wege Gottes, so wird das ganze Volk die Wege Gottes wandeln. Wandeln die Gehilfen in der Verwaltung Echten Lebens, so wird das ganze Volk Echten Lebens wandeln. Wandeln die Gehilfen in der Verwaltung im Schlechten, so wird das ganze Volk im Schlechten wandeln. Wandelt das ganze Volk die Wege Gottes, so wird es auch in Tanz, Musik und Freude bestrebt sein, Gottes Weg zu wandeln. Wandelt das ganze Volk Echten Lebens, so wird es auch in Tanz, Musik und Freude bestrebt sein, echt zu wandeln. Wandelt das ganze Volk im Schlechten, so wird es auch in Tanz, Musik und Freude im Schlechten wandeln. Der Echten sind aber nicht genügend, weil die Besitzenden nicht mehr echt sind."

Entartete Gewächse, diese herrschaftlichen Gnaden

"Wer auf Stelzen geht, steht nicht fest. Wer die Beine spreizt, kommt nicht vorwärts. Wer sich beäugelt, ist nicht Leuchte. Wer sich für recht hält, ist kein Edler. Wer sich selber rühmt, hat kein Verdienst. Wer sich selbst erhebt, ist kein Erhabener. Und diese Leute behaupten, im rechten Weg zu sein!? Ich nenne sie: Wegwurf vom Essen, Eiterbeulen am Körper. Das Volk führen sie irre durch ihren lasterhaften Wandel. - Die Alten sagten: "Besitz erstreben und Gottes Wege wandeln ist unmöglich.""

Das Urbild der Schwarzen

"Sie besaßen ein Wesen, fließend und vollkommen, ehe die Herrschaft der Sin im Lande entstand. Als sie noch für sich allein waren, wie üppig war ihr Wachstum, und wie einzigartig und selbständig waren sie, noch nicht aus der Art gebracht! Die Herrschaft der Tscheu kam, aber sie waren noch nicht gefährdet. Sie durften (selber) erheben, der die Hand hielt über sie. Das Reichshaupt war der Untervölker Mutter. Sie waren noch nicht behindert am Erlernen ihrer Sprache. Wie Jugend zu erziehen, sagte die Lehre vom Wege Gottes (tao). Wie Gewalthaber als Betreuer und Sprecher wandeln, belehrte der Große ("Ta"). Den Großen belehrte der "Schih" (der kommt und geht). Den Schih belehrte der "Yüan" (der Bote). Den Yüan belehrte der "Fan" (der Berichterstatter). Ein altes Weistum sagt: "Die Großen sollen Gottes Wege wandeln, des Reichshauptes Große und die Großen der Länder." Der König war auch ein Großer. Sein Landgebiet war die Mitte, um die Großen in der Hand zu haben nach allen vier Seiten. Und König war unter ihnen Einer. So war es damals. Die Sin folgten der Ordnung ihres Landes. Die Länder folgten der Ordnung des Reichsoberhauptes. Das Reichsoberhaupt folgte der Lehre vom Wege Gottes. Des Weges Gottes Ordnung ist: das Eigene leuchten lassen."

Nehmt ernst das echte Leben

"Wer es ernst nimmt als Volksbetreuer, ist der Leichten Wurzel. Wer gelassen ist als Volksbetreuer, ist der Hitzigen Meister. Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Bis zum Ende (der Amtszeit) gehe er seinen Weg, ohne aufzugeben den Ernst des Wagenführers. Obgleich er die schöngelegene Wohnung inne hat: gelassen bewohne er sie, heiter verlasse er sie! Weh aber dem Gebieter der zehntausend Streitwagen, der, an sich nur denkend, leicht nimmt Herrscherpflicht und Volk! Durch das Beispiel der Leichtfertigkeit verliert er die Vasallen. Durch das Beispiel der Leichtflüssigkeit verliert er das Königsamt."

Dem Tüchtigen das Amt

"Tüchtiger Fußgänger braucht nicht Wagengeleise, noch Fußspurzeichen. Tüchtiger Sprecher braucht nicht Kraftworte, noch Trugmittel. Tüchtiger Rechner braucht nicht Zählmarken, noch Schreibblättchen. Tüchtiger Torwart braucht nicht Riegel, noch Bolzen, und doch kann keiner sich auslassen. Tüchtiger Feßler braucht nicht Knoten schnüren, und doch kann keiner sich lösen. - Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er bestellt Tüchtige als Helfer bei den Sin, daß keiner von den Sin verloren gehe. Er bestellt Tüchtige als Helfer beim eingeborenen Volk, daß keiner vom eingeborenen Volke verloren gehe. Das heißt: "Lichtbegabte um sich sammeln." Die Alten sagten: "Der tüchtige Mensch ist der Untüchtigen Führer. Die untüchtigen Menschen sind des Tüchtigen anvertrautes Gut." Wer wird nicht seinen Führer ehren? Wer wird nicht lieben sein anvertrautes Gut? Wegzuweisen sind Überkluge, Großtuer und Wirrköpfe. Das heißt man: "Die Lichtbegabten vereinigen.""

Zurück zum Urholz

"Es achte bei jenen das Vaterrecht und hüte bei diesen das Mutterrecht, wer Sin und Yü betreut in den Tälern als Unterwalter des Reichshauptes! Wenn also Sin und Yü betreut des Reichsoberhauptes Unterwalter in den Tälern, so wird die Ordnung Echten Lebens nicht verlassen; man kehrt um und wendet sich wieder zurück zu der Kindheit kindlichem Wesen. Es achte bei jenen die weiße Art und hüte bei diesen die schwarze Art, wer Sin und Yü betreut als Unterwalter des Reichsoberhauptes, indem er ein Beispiel gibt! Wenn also Sin und Yü betreut des Reichsoberhauptes Unterwalter, indem er ein Beispiel gibt, so wird man nicht abweichen von der Ordnung echten Lebens: Man kehrt um und wendet sich zurück zum geistigen Ziel. Es achte jener Ehre und hüte bei diesen, was verachtet wird, wer Sin und Yü betreut als des Reichsoberhauptes Unterwalter in den Tälern! Betreut also Sin und Yü des Reichsoberhauptes Unterwalter in den Tälern, so wird der Ordnung echten Lebens fürderhin genügt; man kehrt um und wendet sich wieder zurück zur Urwüchsigkeit. Die Urholz geworden, sollen sich verteilen und als Amtsträger beim Betreuen des Vollces ein Beispiel geben. Die Vollkommensten der Sin sollen hiefür verwendet werden. Ein Beispiel gebe, wer die Hand hält über Sin und Yü als Richter oder Volkshaupt. - Die Alten sagten: "Der Große darf bei Regierungsmaßnahmen nicht verletzen.""

Freiheit lassen beim Betreuen des Volkes

"Wenn ein Helfer willkürlich und anmaßend ist als Unterwalter des Reichsoberhauptes und beim Walten also vorgeht, so weiß man aus Erfahrung, daß er kein Gelingen hat am Ende. Des Reiches Völker sind Gefäße des Geistes und wollen nicht gemacht und geknetet werden! Wer macht und knetet, verdirbt sie. Wer anfaßt und festhält, schädigt sie. - Die Alten sagten: "Die Wesen (Menschen) sind verschiedener Art: Das eine eilt voraus, das andere hinkt nach, das eine haucht, das andere schnauft, das eine ist kräftig, das andere ist schwach, das eine vollendet, das andere zergeht." - Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er meidet Übertreibung, meidet Uberhebung, meidet das Hochhinaus."

Maßhalten im Waffengebrauch

"Der gebraucht den rechten Weg als Helfer zur Linken des Sin-Königs, welcher nicht durch Waffengewalt des Reiches Völker zur Ordnung zwingt, dessen Verfahren es vielmehr ist, in Güte zur Umkehr zu bringen. Wo Kriegsheere hausten, wachsen hernach Disteln und Dornen. Die Folgen großer Kriege sind sicherlich Hungerjahre. Der wahrhaft Tüchtige siegt und macht Schluß und wütet nicht weiter mit Gefangennahme und Gewalttat. Er erkämpft den Sieg und prahlt nicht. Nach dem Siege triumphiert er nicht. Er überhebt sich nicht nach dem Sieg. Er kämpft und siegt, weil's nicht anders geht. Er siegt und spielt nicht den Helden. Die Völker werden begeistert durch das Beispiel ihrer Ältesten. Es heißt: "Wer nicht die Wege Gottes geht oder abweicht vom rechten Weg, ist alsbald abzusetzen.""

Weg mit den Kriegswaffen

"Die Waffen der Helfer und Oberen sind Werkzeuge des Unheils! Die Menschen werden betört und böse in ihrem Wandel. Die Alten sagten: "Wer Gott innehat, führt sie nicht." - Ist der Edle daheim ein Vorbild, so ist sein Ehrenplatz linker Hand. Ist seine Tätigkeit im Kriege ein Vorbild, so ist sein Ehrenplatz rechter Hand. Was Waffen sind, das sind des Unheils Werkzeuge, nicht Werkzeuge des Edlen. Nichts wird er erreicht haben am Ende, auch wenn er von ihnen Gebrauch macht. Friedsam und gelassen halte er die Hand über Sin und Yü als Oberer. Hat er im Kampfe gesiegt, so lasse er sich nicht bewundern. Ein Helfer, der Freude hat an Menschenmord, wahrlich, er ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht macht bei Erfüllung der Pflichten als des Königs Unterwalter. Bei Frohfesten ist in der Weihehandlung die Linke der Ehrenplatz. Bei Begräbnissen ist in der Weihehandlung die Rechte der Ehrenplatz. Die Unterfeldherren stehen in der Weihehandlung links, der Oberfeldherr steht in der Weihehandlung rechts. - Ein Spruch (ist überliefert) : "Stellt euch auf, ihr Obersten, nach eurem Range! Wie bei der Leichenfeier steht und schreitet! Ihr habt hingeschlachtet der Sin-Sippen viele! Mit Schmerz und Mitleid beweinet die Dahingegangenen!" - Wer im Kampfe siegte, stehe und gehe wie bei der Leichenfeier!"

Ihr Waltenden hegt echtes Leben

"Seid der Wege Gottes Hüter, laßt Freiheit in der Sprache, zeigt Einfachheit auch im Geringsten, fordert des Reiches Völker nicht heraus durch Knechtung! Wenn Lehensfürsten und Könige also zu betreuen vermöchten, so würde das zahlreiche Volk sich gerne ihrer Führung beugen, und des Reiches Länder wären, wie man Bäume beisammensieht, miteinander im Einklang. Herablassung sollt ihr üben und Milde zeigen! Das eingeborene Volk will nicht unter Zwinggesetzen leben, sondern selbständig und gleichberechtigt sein. Zuerst wäre zu verordnen, daß es seine Sprache behalte. Hat es wieder seine Sprache, dann sollen die Helfer daran festhalten und die Lehrenden dabei beharren. Wenn die Lehrenden dabei beharren und in den Dörfern sie gebrauchen, dann ist es außer Gefahr. Ein Gleichnis: Gehen des Reiches Völker im Wandeln und Leben die Wege Gottes, so gleichen sie dem Lauf der Bergwässer und Talbäche: Sie werden Ströme, die sich ins Meer ergießen."

Unterschiedlich ist das Echte Leben

"Wer andere erkennt, ist klug; wer sich selbst erkennt, ist erleuchtet. Wer andere bezwingt, hat Stärke; wer sich selbst bezwingt, ist ein Held. Wer Genügsamkeit kennt, hat Uberfluß. Wer seinen Wandel in Zucht hält, hat Willenskraft. Wer seinen Posten nicht verläßt, ist standhaft. Wer stirbt und doch nicht wankt, ist ein Unsterblicher."

Das Amt der Vollkommenen

"Ist der Große ein Weg Gottes, o welch ein segenbringender Strom ist er! Willfährig ist er zur Rechten und zur Linken. Das eingeborene Volk kommt vertrauensvoll zu ihm, weil er es sein Leben sich entfalten läßt und es nicht verwirft. Er läßt es die Werke seiner Kunst vollbringen und nennt es nicht leibeigen. Er schützt und ernährt das eingeborene Volk, und seine Hand ruht nicht auf ihm als Herr. Sein Ordnen ist ohne Willkür. Es darf ihn sprechen und darf zu ihm kommen auch der Geringste. Das eingeborene Volk darf zurückkehren zu seinem Wesen, denn er behandelt es nicht als Herr. Es darf sagen, wer seiner walten soll als Großer. - Richtig verhält sich als Walter ein Sin: der bis zum Ende seiner Amtszeit nicht den Großen spielt. Die Alten sagten: "Des Machthabers Vollkommenheit ist seine Größe.""

Gesittung der Sin oder Echtes Lebern

"Halten die Großen am Urbild fest, so folgen des Reiches Länder ihrem Beispiel. Man folgt ihm und wird ohne Fehler sein. Es wird Ruhe, Friede und Genügsamkeit. (Aber) Tanzmusik, Gesellschaften, Schwelgen im Ubermaß, das ist der entarteten Fremdlinge Zeitvertreib. Spricht man zu ihnen vorn Wege Gottes, so wird erwidert: "Ach, dummes Zeug! Dafür habe ich keinen Geschmack; ihn zu schauen, seh' ich nicht genügend; ihn zu erlauschen, hör' ich nicht genügend; ihn gebrauchen, mag ich nicht! Schluß damit!""

Zu schweigen verstehen

"Der Führende, ein Ziel erstrebend, schlucke in sich hinein beim Vorgehen; er muß aber fest sein und sich anspannen beim Vorgehen! Der Führende, ein Ziel erstrebend, sei geschmeidig beim Vorgehen. Doch muß er fest und kraftvoll vorgehen. Der Führende, ein Ziel erstrebend, ob sein Haus zusammenstürzt, während er vorgeht, er muß fest und heiter sein beim Vorgehen. Der Führende, ein Ziel erstrebend, beurteile scharf beim Vorgehen; er muß fest und bei der Sache sein beim Vorgehen. Es heißt: "Das Innere laßt leuchten!" "Milde und anpassend siegt er über Hart und Streng." "Der Fisch verliert sein Können, trennt man ihn vorn Wasserreich." - Dem Gau entsprossen seien seine fördernden Beamten; nicht dürfen Leute der Sin zu Aufsehern gemacht werden."

Die ihr die Hand haltet über Sin und Yü als Regierende

"Seid der Wege Gottes Schutz und Schirm! Enthaltet euch des Bildens, und niemand wird sein, der sich nicht bildet. Wenn Könige und Lebensfürsten es verstünden, Wesenswahrer zu sein, so würden sie das eingeborene Volk so führen, daß es aus sich selber sich erneuert. Würde es sich erneuern und sich entfalten wollen, ich, als Führer, würde seinen Wandel schützen und veranlassen, daß es frei ist in der Sprache und zum ursprünglichen Wesen kommt. Ist es frei in der Sprache und zum ursprünglichen Wesen gekommen, so würde ich es auch zur Begierdelosigkeit führen. Begierdelosigkeit wirkt Seelenruhe. Reichsoberhaupt und Unterwalter seien Helfer in der Selbstbestimmung!"

Was Echtes Leben anlangt,

"so ist der Oberen Leben kein Echtes Leben. Richtiges Verhalten, das ist Echten Lebens sein. Das Untervolk ist Echten Lebens, wenn es das ursprüngliche Leben nicht verliert; es verhält sich richtig, wenn es frei im Leben ist. Der Obere wirkt Echtes Leben, wenn er frei sich bilden läßt Sin und Yü, und ohne sein Zutun veranlaßt er, daß sich bilden Sin und Yü. Das Untervolk ist Echten Lebens, wenn es sich selber bildet und Mittel hat um sich zu bilden. Der Obere wirkt Menschlichkeit, indem er sie betätigt in seinem Wandel, und ohne sein Zutun veranlaßt er ihre Betätigung. Der Obere wirkt Rechtschaffenheit, indem er sie betätigt in seinem Wandel, und weil er (rechtschaffen) ist, veranlaßt er ihre Betätigung. Der Obere wirkt schöne Sitte, indem er sie betätigt in seinem Wandel, doch so, daß niemandes Wandel ihm entsprechen muß; denn das Vorbild stiftet Verwirrung, wenn es die Arme ausstreckt mit Gewalt und zwingt, nach ihm zu wandeln. - Die Alten sagten: "Dahin ist der Weg Gottes, wenn der Fürst bestimmt, was Echtes Leben sei. Dahin ist das Echte Leben, wenn der Fürst bestimmt, was Menschlichkeit sei. Dahin ist die Menschlichkeit, wenn der Fürst bestimmt, was Rechtschaffenheit sei. Dahin ist die Rechtschaffenheit, wenn der Fürst bestimmt, was Anständigkeit sei." - Das Meistersein in Anstandsregeln ist der Wesenstreue äußerlicher Schein und Anzeichen von Verfall. Das Sichauskennen in angelernten Formen ist des Weges Gottes tauber Blütenansatz und der Affenbildung Anfang. - Richtig verhält sich der Große als Ältester oder Lehrer: Er widmet sich seiner Vollkommenheit und verweilt nicht bei seiner Äußerlichkeit. Er widmet sich seinem Echten und verweilt nicht bei seiner Verzierung. - Die Alten sagten: "Laßt fahren, was vergangen, ergreifet das Gegenwärtige!""

Des (Lebens-) Gesetzes Wurzel

"Das ist das Licht (das "Eine"), das im Anfang des Wandels empfangen wurde. Der Himmel empfing vom Licht (das "Eine"), es wirkt seinen Glanz. Die Erde empfing vom Einen Licht, es wirkt ihre Feste. Die höheren Wesen empfingen vom Einen Licht, es wirkt ihre Kraft. Die Täler empfingen vom Einen Licht, es wirkt ihre Fülle. Die zahlreichen Wesen (Menschen, Völker usw.) empfingen das Licht, es wirkt ihre Art. Vorsteher und Volkshäupter empfingen das Licht, es wirkt, daß sie, als des Königs Unterwalter regierend, ein Vorbild sind. Das, was dies bewirkt, ist ihr Licht (das "Eine"). Entschwindet dem Himmel, was sein Glanz wirkt, so muß er bersten. Entschwindet der Erde, was ihre Feste wirkt, so muß sie zergehen. Entschwindet den höheren Wesen, was ihre Kraft wirkt, so müssen sie sterben. Entschwindet den Tälern, was ihre Fülle wirkt, so müssen sie veröden. Entschwindet den zahlreichen Wesen (Menschen, Völkern), was ihre Art wirkt, so müssen sie verfallen. Entschwindet Vorstehern und Volkshäuptern, was bewirkt, daß sie ein Vorbild sind - und nur deshalb sind sie geehrt und hochgestellt -, so müssen sie stürzen. - Der Edle ist von den Geringen erhoben, um ihnen "Wurzel" zu sein. Der Hochgestellte ist von den Niederen erhoben, um ihnen "Fels" zu sein. - Richtig verhalten sich Vorsteher und Volkshäupter, die sich vergewissern, ob Waisen und Witwen ohne Nahrung sind. Wurden sie nicht deshalb von den Geringen erhoben, um ihnen Wurzel zu sein? - Die Alten sagten: "Die Stücke des Wagens geben noch nicht den Wagen." - Ist es nicht, daß man nach dem Leuchtenden und Funkelnden greift, wenn man zu einem Edelstein kommt, aber fallen läßt und wegwirft, wenn man zu einem Kieselstein kommt?"

Das Taugliche hat man verworfen

"Kehret um und wandelt Gottes Wege, so wird euch neuer Antrieb! Werdet jung und wandelt Gottes Wege, so wird euch frische Kraft! Im Reiche entfalte das eingeborene Volk sein Leben gemäß seiner Art und entfalte seine Art gemäß seiner Geistigkeit."

Gleichmachen, was wesensverschieden?

"Im höheren Altertum wurden die Amtsträger unterwiesen in den Wegen Gottes; man gab sich Mühe, danach zu tun. In der Mittelzeit wurden die Amtsträger unterwiesen in den Wegen Gottes; bald hielt man sie ein, bald ließ man sie außer acht. In der folgenden Zeit wurden die Amtsträger unterwiesen in den Wegen Gottes; die Großen lachten darüber, und die nicht lachten, waren nicht mehr unverfälscht, um gemäß den Wegen Gottes die Hand zu halten über Sin und Yü. Eine Spruchsammlung des Altertums enthält die Worte: Wie licht dein Weg sei, er dünke dir dunkel. Wie fortgeschritten dein Weg sei, er dünke dir zurückgeblieben. Wie hehr dein Weg sei, er dünke dir leer. Wie groß deine Reinheit sei, sie dünke dir fleckenhaft. Wie umfassend dein Leben, es dünke dir unzulänglich. Wie gefestigt dein Leben,dünke dir schwankend. Wie echt deine Treue, sie dünke dir wankend. Der Große sei Eckstein ohne Schärfe. Der Große sei Helfer, daß Unfertige sich vollenden. Der Große als Sprecher sei sparsam im Reden. Der Große sei Vorbild, ohne zu bilden. Gottes Weg ist Stille, nicht Geschrei. Ein Helfer, der ein Weg Gottes ist, wird auch durch Güte und Verzeihen zur Vollendung führen."

Gottes Weg ist Selbstentfaltung (Selbstentwicklung)

"Das Höchste der Wege (tao) ist strahlendes Licht (das "Eine"). Als Licht wird es "die Zwei" (Yang und Yin), Sonne und Erde. Mit Sonne und Erde ist es dreifaltigen Wesens (nämlich Licht, Sonne, Erde, d. i. Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit). Dreifaltigen Wesens wird es alles Geschöpf. Alles Geschöpf trägt um sich Erde, hegt in sich Sonne, des Unendlichen Lebensatem wirkt die Vereinigung. Die Städte der Sin, wie sind sie entartet! Betreut man Waisen und Arme, die ohne Nahrung sind? Wo doch Volkshäupter und Vorsteher erhoben wurden, um unter diesem Namen das Volk zu betreuen! Ein alter Spruch sagt: "Oft wird das Leben verloren, obschon man Gewinn hat. Oft wird das Leben gewonnen, obschon man Verlust hat!" Was für die Städte der Sin zu lehren, lehre ich auch (für die Yü): "Der gewaltsame Staatsmann hat kein Gelingen am Ende." - Man verhindere, daß zu Führern erhoben werden, die mit Lehrmeinungen und Gesetzen regieren!"

Ungehemmt die Kräfte sich entfalten lassen

"Die Leichtgefügtesten des Landes überholen die Schwersten des Landes. Nichtstoffliches dringt auch noch ein in das, was keinen Zwischenraum hat. Ich halte für richtig, daß solche erhoben werden, die es verstehen, im Geiste der Freiheit regierend, Besitz und Wohlfahrt zu fördern. Ohne Worte Erziehung etwas erreichen, im Geiste der Freiheit regierend, Fortschritt fördernd, o wie wenige von des Reiches Unterwaltern bringen das fertig!"

Gebote und Verbote stellen sich auf

"Der Name oder das Ich, was steht näher? Das Ich oder der Besitz, was ist mehr? Jenes gewinnen oder dieses verlieren, was ist schlimmer? Es heißt: "Wer gierig sein Herz an die Dinge hält, sicher sein Höchstes vergibt." - "Wer viel Reichtum sammelt, sicher sein Bestes verliert." - "Wer genügsam ist, kommt nicht in Schande." - Er kann, erhoben zum Vorsteher, es dauernd sein."

Wie überströmend, wer Echten Lebens ist

"Wie groß seine Vollkommenheit ist, sie dünkt ihm unzulänglich, und seine Kraftentfaltung ist unermüdlich. Wie groß seine Fülle ist, sie dünkt ihm leer, und seine Kraftentfaltung ist unerschöpflich. Wie groß seine Geradheit ist, sie dünkt ihm krumm. Wie groß seine Geschicklichkeit ist, sie dünkt ihm ungeschickt. Wie groß seine Beredsamkeit ist, sie dünkt ihm stotternd. Seine Beweglichkeit überwindet die Starren. Seine Gelassenheit überwindet die Hitzigen. Walten Reine und Echte, so kommen des Reiches Völker in die Richte."

Die Begierden mäßigen

"Wären Reichsoberhaupt und Unterwalter im rechten Wege (tao), so entsagten sie dem Umhergaloppieren und gebrauchten die Pferde zur Feldbestellung. Weil Reichsoberhaupt und Unterwalter nicht im rechten Wege sind, werden Kriegsrosse auf den Gemeindeangern großgezogen. Frevelhafter ist nichts, als wenn die Großen der Willkür und Begier freien Lauf lassen. Unheilvoller ist nichts, als wenn die Großen den Ungenügsamen freien Lauf lassen. Verruchter ist nichts, als wenn die Großen der Gier nach Mehrbesitz freien Lauf lassen. - Die Alten sagten: "Wer genügsam ist, hat immer genug. Eine Grundtugend ist die Genügsamkeit.""

Lichtausstrahlender Brennspiegel wirkt in die Ferne

"Ohne aus der Tür zu treten, erkenne das Reichshaupt seine Unterwalter. Ohne aus dem Fenster zu blicken, erkenne das Reichshaupt, ob sie Gottes Wege gehen. Je weiter er hinausgeht, desto weniger wird sein Erkennen. - Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er reist nicht umher, und doch erkennt er. Er nimmt nicht in Augenschein, und doch nennt er die Dinge beim rechten Namen. Er bildet nicht, und doch wirkt er Vollkommenheit."

Das Angelernte wird vergessen

"Wer Menschen bildet durch Anlernen (Eintrichtern), füllt täglich ein Faß. Wer Menschen bildet, indem er Gottes Wege wandeln läßt, hat täglich weniger Arbeit. Er verringert sie und verringert sie immer mehr, bis er dahin kommt, daß er sagen kann: "Ohne mein Zutun bilden sich Sin und Yü; ohne mein Zutun bilden sie sich, und niemand ist ohne Bildung." Wer auserwählt ist als des Reichsoberhauptes Unterwalter, mache sich zum Grundsatz: Keine Geschäfte machen! Wer Besitz erstrebt durch Geschäftemachen, verdient nicht, daß er erwählt werde zum Unterwalter des Reichshauptes."

Echt zu leben ist Amtspflicht

"Frei von Gesetzesstrenge sei das Herz des waltenden Sin; die Herzen der hundert Geschlechter betreue er wie das eigene Herz. Sein Grundsatz sei: Zu den Guten bin ich gut, zu den Nichtguten bin ich auch gut; denn Echtes Leben ist Güte. Zu den Aufrichtigen bin ich aufrichtig, zu den Nichtaufrichtigen bin ich auch aufrichtig; denn Echtes Leben ist Aufrichtigkeit. Der waltende Sin, das Amt bekleidend als des Reichsoberhauptes Unterwalter, halte sorglich und behutsam die Hand über Sin und Yü als Unterwalter des Reichshauptes. Allen ohne Unterschied gehöre sein Herz. Allen von den hundert Geschlechtern gönne er Auge und Ohr. Der waltende Sin behandle alle als seine Kinder."

Ehrfurcht vor dem Leben

"Was von der Erde kommt am Leben, geht wieder hinein beim Tode. Des Lebens Personen, vereinigt, sind eine Dreieinigkeit. Beim Tode trennen sich die Personen, die, vereinigt, eine Dreieinigkeit waren. Der Mensch kommt zum Leben, und ist es vollbracht, so geht sterben, was von der Erde ist, obwohl es, vereinigt, zur Dreieinigkeit gehörte. - Wer wurde Helfer bei den Alten? - Der sein Leben so führte, daß er des Lebens Vollkraft erlangte. - In einem Kasten ist der Bericht von einem Manne, der das Leben recht zu führen wußte. Der wandelte durch's Land, ohne vor Einhorn und Tiger zu fliehen. Er trat unter bewaffnete Haufen, ohne Waffen und Harnisch zu tragen. Einhörner hatten keine Ursache, ihr Horn einzustoßen, Tiger hatten keine Ursache, ihre Krallen einzuschlagen, Räuber hatten keine Ursache, ihr Schwert einzubohren. Und warum das? - Weil er nicht besaß, was beim Tode Erde wird."

Bewahret die Gesundheit, daß Echtes Leben wird

"Wer aus Gott (tao) wandelt, wird Echtes Leben erlangen. Wer Echten Lebens ist, wird Wuchs erlangen. Wer wesenhaft ist, wird Haltung erlangen. Wer seine Kraft übt, wird Vollendung erlangen. Richtig verhält sich das zahlreiche Volk, wenn alles Gottes Wege ehrt und Echtes Leben achtet. Ehrt es Gottes Wege und achtet es das Echte Leben, dann brauchen keine Helfer zu ihm kommen als Befehler, denn es ordnet sich von selbst nach seiner Art. Darum sagten die Alten: "Wer aus Gott wandelt, wird Echtes Leben erlangen. Wer Echten Lebens ist, wird Wuchs erlangen, wird Dauer erlangen, wird Bildung erlangen, wird Vollkommenheit erlangen, wird Reife erlangen, wird Gesundheit erlangen, wird Gedeihen erlangen." Entwickeln lassen und nicht hörig machen, das Volk betreuen und nicht ausnützen, es fördern und nicht in Gesetze bannen: So, heißt es, wird den Schwarzen Echtes Leben."

Man lasse sie zurückkehren zum Ursprung

"Man lasse des Reiches Völker zurückkehren zu ihrem anfänglichen Wesen! Man lasse des Reiches Untervölker nach Mütterrecht betreuen! Sind sie unterwiesen durch ihre Mütter und wieder unterwiesen durch ihre Lehrer, sind wieder Unterweiser ihre Lehrer und wieder Wächter (Wesenswahrer) ihre Mütter, dann wird bis zum Ende der Dinge ihr Wesen nicht mehr gefährdet sein. Setzen sie Schranken ihren Warenhändlern und schließen sie ihre Eingangstore, dann wird bis zum Ende der Dinge ihr Wesen nicht mehr verwirrt werden. Breiten sich aus ihre Warenhändler und haben freien Lauf ihre Geschäftemacher, dann wird bis zum Ende der Dinge ihr Wesen zu retten sein. Was wissenswert für die Jugend, sage der "Ming" (der Erleuchtete). Wie man Gelenkigkeit bewahrt, sage der "Tjieng" (der Starke). Man lasse sie ihr Licht gebrauchen und umkehren und heimkehren zu ihrem Wesen! Nicht dürfen Uberbleibsel von Vergangenem den Menschen verderben. Darum heißt es: "Übet, was das Ewige ist!""

Überfluß ansammeln bringt Streit

"Daß doch unsere Wächter das rechte Verhalten zum Erdenbesitz verstünden, und die Großen in ihrem Wandeln und Betragen die Wege Gottes gingen, und daß Helfen und Zuteilen in rechter Weise ihre Sorge wäre! Wären die Großen im rechten Wege und sehr einfach, dann würde auch das Volk die geraden Wege lieben. Aber ihre Hofhaltungen sind maßlos prunkvoll, die Felder desto ärger verwildert, und die Speicher desto vollständiger geleert. Ihre Kleider sind geziert und buntfarbig, sie tragen scharfe Schwerter, ergeben sich dem Trinken und Essen und raffen Reichtum und Schätze im Uberfluß. Richtig nennt man das: "Räuber sein und damit prahlen." O, wie sind sie abgekommen vom Wege Gottes!"

Sehet zu, daß Neuordnung wird

"Aber eine gut gegründete, die nicht auszureißen! Eine gut verfaßte, die nicht umzustürzen! Wo Kinder und Kindeskinder der Ahnen gedenken immerdar! Neu werde der Wandel bei sich selbst; ist man Echten Lebens, so wird wieder echte Art. Neu werde der Wandel bei der Sippe; ist sie Echten Lebens, so wird Uberschuß. Neu werde der Wandel bei der Gemeinde; ist sie Echten Lebens, so wird wieder Ordnung. Neu werde der Wandel beim Gau; ist er Echten Lebens, so wird Wohlfahrt. Neu werde der Wandel bei des Reichsoberhauptes Volk; ist es Echten Lebens, so wird es wieder allgemein (im Reiche) ! Die Alten sagten: "Es verhalte sich der Mensch, daß auf ihn schauen die Menschen! Es verhalte sich die Sippe, daß auf sie schauen die Sippen. Es verhalte sich die Gemeinde, daß auf sie schauen die Gemeinden. Es verhalte sich des Reichsoberhauptes Volk, daß auf sie schauen des Reiches Völker!" Und wessen bedienen wir uns, um des Reiches Untervölker anzuleiten, wie sie zu rechter Art gelangen? Wir bedienen uns ihrer selbst:"

Der Schwarzen Wesenswahrer

"Er soll des Lebens Vollkraft verkörpern, ein Beispiel geben und das jugendliche Volk belehren, daß giftiges Gewürm sie nicht stechen, tollwütige Hunde sie nicht beißen und Raubvögel sie nicht stoßen, wie die Knochen gelenkig, die Muskeln geschmeidig bleiben und wie man kräftig zupackt. Die noch nichts wissen vom Verkehr zwischen Mann und Weib, und doch des Geschlechtes Trieb sich regt, weil der Samen zur Reife kommt: alle Tage zeige er ihnen, auch wenn die Kehle nicht mehr die Stimme wechselt, wie man durch Einklang zur Vollendung kommt. Das Wissen vom Gemeinschaftsleben erläutere der "Tschang" (der Ordnungswahrer). Das Wissen tun Gesetz und Recht erläutere der "Ming" (der Erleuchtete)! Wie das Leben zu fördern, erläutere der "Hsiang" (Walter der Wohlfahrt). Wie das Herz zum Geistigen hinzulenken, erläutere der "Tjiang" (der Starke). Die Vollkräftigen des Volkes seien Führende und Älteste. Kann Unterweiser sein, der nicht im rechten Wege ist? Wer abweicht vom rechten Weg, ist alsbald abzusetzen."

Wer die Schwarzen im Echten Leben

"unterweist, der sei kein Schwätzer! Schwätzer sind keine Unterweiser. Man setze Schranken seinen Warenhändlern! Man schließe seine Eingangstore! Man stoße zurück seine Eiferer! Man sondere ab seine Vermischten! Man vereinige seine Lichtbegabten! Man tue zusammen, die zu ihrer Welt gehören! - Richtig heißt es: Die Schwarzen gehören zusammen. Die Alten sagten: Laß dich nicht zum Gegenstand der Wünsche anderer machen, und wären sie von der Verwandtschaft. Auch laß dich nicht zum Gegenstand der Wünsche anderer machen, und wenn sie sich dir entfremden. Laß dich nicht zum Gegenstand der Wünsche anderer machen, auch wenn du geehrt würdest. Auch laß dich nicht zum Gegenstand der Wünsche anderer machen, selbst wenn du verachtet würdest. Die Alten sagten: "Wer die Hand hält über Sin und Yü als des Reichsoberhauptes Unterwalter, Ehre ihm!""

Durch Echte sich beeinflussen lassen

"Man nehme den Rechtschaffenen als Ordner der Gaue! Man nehme den Uberragenden als Leiter der Heere! Zur Erhebung von Abgaben als Unterwalter des Reichshauptes nehme man, die keine Geschäfte machen. Und woher nehmen wir das Wissen, daß sie solcher Art sind? Von ihrer bisherigen Verwendung. Des Reichsoberhauptes Unterwalter überhäufen mit Verboten und Beschränkungen, und das eingeborene Volk wird um so armseliger. Das Volk wird überhäuft mit bewaffneten Beamten, und Gaue und Dörfer sind desto ärger in Unruhe und Verwirrung. Die Sin überhäufen mit Kunstfertigkeiten und Geistreichigkeiten, und der absonderlichen Menschen kommen immer mehr auf. Der Gesetze und Verordnungen werden immer mehr verkündet, und desto mehr gibt es Diebe und Räuber. Ein waltender Sin des Altentuns sagte: "Ich 'mache' nichts, und das Volk bessert sich von selbst. Ich liebe es, stille zu sein, und das Volk wird von selbst recht. Ich enthalte mich des Geschäftemachens, und das Volk wird von selber genügsam. Ich halte mich frei von Begierden, und das Volk bleibt von selber einfach.""

Willfährig sein der Selbstentwicklung

"Wessen Regierung unsichtbar und zurückhaltend ist, dessen Volk bleibt echt und unverfälscht. Wessen Regierung den Aufseher spielt und den Vormund macht, dessen Volk zerbricht und verzwergt. Glück wird daraus hervorgehen, wo Glaube und Vertrauen ist! Unglück wird daraus hervorgehen, wo das Volk sich ducken muß! Man übe und begreife jenes Höchste, jenes Unsichtbarsein und Stillehalten! Wird Echtheit wiederkehren, wenn das Volk von Narren regiert wird? Wird Rechtschaffenheit wiederkehren, wenn das Volk von Heuchlern regiert wird? Von den Sin kam die Irreführung, und ihr heutiges Treiben dauert schon lange. Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Eckstein sei er, aber ohne zu verletzen! Eckpfeiler, aber ohne zu verwunden! Ordner, aber ohne Willkürlichkeit! Leuchte, aber ohne zu blenden!"

Hüter der Wege Gottes

"Zu heilen und Ordnung zu halten bei den Sin, war der Dienst des Reichsoberhauptes. Er brauchte nicht Gras mähen, noch ernten. Die Helfer betreuten das Ernten. Zu rechter Zeit ward ausgerufen: "Die Sonne steigt, die Wagen gerichtet!" War die Sonne gestiegen und waren die Wagen gerichtet, so wurde ausgerufen: "Geht hin, nehmt wichtig das Einsammeln des Getreides für das Leben!" Weil das Einsammeln des Getreides für das Leben so wichtig war, war Gebot, daß jeder sich anstrengte. Keiner durfte sein, der sich nicht anstrengte. Weiter war Gebot, daß keiner von seinem Speicher spreche. Weil keiner von seinem Speicher sprach, konnte (Gemein-)Besitz des Gaues veranlaßt werden. Der Besitz des Gaues kam zu den Müttern. Es mußten die Ältesten einen dauernden Bestand veranlassen. Zu rechter Zeit wurde ausgerufen: "Sorgsam setzet die Wurzeln, daß stark werde der Pflanzenwuchs!" Immerwährend war das Leben der Oberen, daß an ihnen zu sehen war, wie man Gottes Wege wandelt."

Wie man die Regierung ausübt

"Der Große muß ein Land leiten (sachte), wie man kleine Fischlein brät. Beachten Reichsoberhaupt und Unterwalter beim Regieren die Wege Gottes, so geistern ihre Manen nicht. Nicht nur, daß ihre Manen nicht geistern, ihre Ahnengeister schädigen auch die Nebenmenschen nicht. Nicht nur, daß ihre Ahnengeister die Nebenmenschen nicht schädigen, auch der waltende Sin schädigt die Nebenmenschen nicht. Die Helfer der zwei Menschenarten dürfen sich nicht gegenseitig schädigen. Die Alten sagten: "Wenn die Echtlebenden zusammenhalten, wird Umkehr.""

Hingebung ist Echtes Leben

"Die Großen eines Landes sind von den Unteren eine Auslese. Das Reichshaupt ist der Unteren Zusammenhalt. Das Reichshaupt ist der Unteren Mutter. Die Mutter als Ordnungsträgerin gebraucht Stille, um den Mann zu gewinnen. Stille gebrauchend, hält sie die Hand über das Volk, indem sie dient. Die Alten sagten: "Der Große des Landes betrachte sich als Diener der Niederen des Landes; durch sein Beispiel nimmt er die Niederen des Landes für sich ein. Die Niederen des Landes betrachten sich als Diener des Großen des Landes; durch solches Beispiel nehmen sie den Großen des Landes für sich ein." Die Alten sagten auch: "Indem jener dient, bewirkt er Einfluß. Indem diese dienen, haben sie Einfluß." - Der Große des Landes gehe nicht weiter mit seinen Wünschen, als die Menschen zu vereinen und zu ernähren. Die Niederen des Landes gehen nicht weiter mit ihren Wünschen, als aufzugehen im Dienste der Menschen. So erreichen die Helfer der beiden Menschenarten, jeder auf seinem Platze, das, was sie wünschen. Wer Großer ist, dem ziemt es, des Volkes zu walten als dessen Diener."

Sin und Yü betreuen indem man Gottes Wege wandelt

"Wer Gottes Wege wandelt, ist des zahlreichen Volkes Zufluchtsort, den guten Sin ein Hort, den nichtguten Sin ein Ort der Rettung. Schöne Worte können auf dem Markte wirken. Ehrenhafter Wandel kann das Volk emporreißen. Warum also den Nichtguten verwerfen, solange er noch am Leben ist? Ein altes Weistum sagt: "Wozu ist auserwählt des Himmels Sohn und sind eingesetzt die drei Großräte? Etwa dazu, daß sie um sich haben, die, Bücklinge machend, die Hände vor der Brust zusammenlegen und das Vorrecht haben, vierspännig einherzufahren? - Auch nicht dazu, daß sie umhergehen, um Gerichtstag zu halten, sondern daß sie vorangehen als ein Weg Gottes." Was war es denn; warum die Alten den, der Gottes Wege wandelte, zum Würdenträger erhoben? Geschah es nicht, weil man von ihm sagen konnte: Bittet, so werdet ihr empfangen, habt ihr Schuld, so wird sie nachgelassen? Darum sagten die Alten: "Wer die Hand hält über Sin und Yü als Reichshaupt oder Unterwalter, Ehre ihm.""

Man überlege am Anfang

"Als Regierender lass' Freiheit den Regierten! Als Verwalter lass' Freiheit den Verwalteten! Als Freudespender lass' Freiheit den Sichfreuenden! Sieh' das Große im Kleinen, das Viele im Wenigen! Erwidere Feindschaft mit Echtem Leben! Unternimm Schweres, wenn es noch leicht ist! Die schwersten Dinge im Reiche entstanden ja aus Kleinem. Die größten Händel im Reiche entsprangen aus Kleinigkeiten. - Richtig verhält sich als Walter ein Sin, der bis zum Ende als Regierender nicht den Großen macht. Die Alten sagten: "Ein Helfer, der rasch ist im Versprechen, hält sicher selten Wort. Wer vieles leicht nimmt, sicher wird ihm vieles schwer. Richtig verhält sich als Walter ein Sin, der bei Schwierigkeiten überlegt, die kommen können. Die Alten sagten: "Wer das Ende erschaut, wird keine Schwierigkeiten haben.""

Man beachte das Kleine fold erst Entstehende

"Was in Ruhe ist, wird leicht gelenkt. Dem noch nicht sich Zeigenden ist leicht zuvorzukommen. Was zerbröckelt ist, wird leicht zerbrochen. Was noch winzig ist, wird leicht zerstreut. Hervortretendes halte nieder, ehe es zu Macht gekommen! Hervortretendes bringe in Ordnung, ehe es in Aufruhr kommt! Ein Baum von zwei Klaftern Umfang erwuchs aus haarfeinem Sproß. Ein Turm, neun Stockwerke hoch, entstand aus einem Häuflein Lehm. Eine Reise von tausend Meilen begann mit einem ersten Schritt. Wer Sin und Yü nach seinem Willen behandelt, verdirbt ihren Wandel; wer sie in Furcht hält, schädigt ihren Wandel. Rein geistig (wu) halte der waltende Sin die Hand über Sin und Yii. - Im Altertum sagte man (zum Regierenden) : "Du sollst nicht verderben und sollst nicht in Furcht halten!" Wiederum sagten die Alten: "Du sollst nicht vernachlässigen!" - Die beim eingeborenen Volke umhergehen als Beamte und Dienstleute, verkünden Gesetze, die aufs genaueste einzuhalten sind, und so verderben sie seinen Wandel. Man bedenke das Ende ebenso wie den Anfang, und man wird keine zusammengebrochenen Unternehmungen haben. Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Sein Begehren sei ohne Gier! Er schätze schwer zu erwerbende Schätze nicht hoch! Er schicke die Leute der Sin dahin zurück, woher sie gewandert kamen! Dadurch hilft er dem eingeborenen Volke, sich zu entfalten aus eigenem Wesen. Und er gehe nicht schroff und gewaltsam vor als Betreuer der Sin und Yü."

Unverfälschtes Leben

"Jene Tüchtigen des Altertums, welche die Hand hielten über Sin und Yü gemäß den Wegen Gottes, veranlaßten nicht die "Aufklärung" des eingeborenen Volkes. Als Führende hielten sie dafür, daß es einfach bliebe in seinem Wandel. Daß das eingeborene Volk so schwer in Ordnung zu halten ist, kommt daher, daß es zu viel unterrichtet wird. Die Verwendung der Schriftgelehrten zur Regierung der Länder ist der Fluch. Man lasse ab von der Verwendung der Schriftgelehrten zur Verwaltung der Länder; es ist der Länder Verderben. Man wisse, daß es hierzulande zweierlei Menschenarten gibt, also auch Muster und Vorbilder. Ordnung zu halten versteht, wer Muster und Vorbild ist. Es heißt: Die Schwarzen leben ihres Herzens. - Die Schwarzen sollen ihres Herzens leben! Ganz für sich! Abgesondert für sich! Man gestatte ihnen, zu ihrem Wesen zurückzukehren, und sie werden sich aufschwingen zur Größe ihrer Art."

Sein Selbst zurückstellen

"Daß Ströme und Seen die "Könige" sind aller Gewässer der Täler, das kommt daher, daß sie verstehen, sich niedrig zu halten. Daher werden sie die Könige über alle Gewässer der Täler. Also verhält sich richtig als Walter ein Sin: Wünscht er Oberer zu sein beim eingeborenen Volke, so muß er im Gebrauch der Sprache sich ihm unterordnen. Wünscht er erster zu sein beim eingeborenen Volke, so muß er, was seine Person anlangt, sich ihm nachstellen. Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er ist des Dorfes Oberer, aber dem Volke nicht zur Last. Er ist des Dorfes Leiter, aber dem Volke nicht zum Schaden. - Richtig verhalten sich des Reichsoberhauptes Unterwalter: Tonkunst und Vergnügen lassen sie wählen, aber nichts Ekelhaftes. Und sie betätigen sich nicht als Eiferer. Ein altes Weistum sagt: "Das Reichshaupt hat den Unterwaltern nicht die Gewalt gegeben, daß sie umhergehen als Eiferer.""

Die drei Perlen

"Von des Reichsoberhauptes Unterwaltern sage jeder: Ich, als Großer, will Gleichnis sein, nicht Vorbild. Der Große soll Helfer und Betreuer sein. Die Alten sagten: "Gleichnis sein, nicht Vorbild!" Die gleich sein wollen dem Vorbild, lange fürwahr, währt ihre Unbedeutendheit. Als Helfer hatte ich drei Perlen, die ich bewahrte und wertschätzte. Die erste heißt: Ich habe Liebe. Die zweite heißt: Ich bin genügsam. Die dritte heißt: Ich giere nicht, der Erste zu sein unter des Reichsoberhauptes Unterwaltern. Wer Liebe hat, sagten die Alten, hat die Kraft des Heldennuts. Wer genügsam ist, sagten die Alten, kann freigebig sein. Wer nicht danach giert, unter des Reichshauptes Unterwaltern der Erste zu sein, sagten die Alten, kann durch seine Tüchtigkeit der Beamten einflußreichster sein. Und wie ist es heute? Man spottet der Liebe, und am Altar steht der Freche. Man spottet der Genügsamkeit, und am Altar steht der Verschwender. Man spottet der Bescheidenheit, und am Altar steht der Ehrgeizige. Wahrlich, das führt zum Untergang. - Ein Helfer, der Liebe hat, ist, erhoben zum Heerführer, ein Beispiel der Sieghaftigkeit; erhoben zum Verteidiger, ist er ein Beispiel der Standhaftigkeit. Das Reichsoberhaupt als Führer und Helfer im Leben bediene sich der Liebenden, um das Leben zu schützen."

Die Gefährten des Reichsoberhauptes

"Tüchtig ist, die Hand haltend über Sin und Yü, als Heerführer, wer nicht kampflüstern ist. Tüchtig ist als Fechter, wer nicht zornwütig ist. Tüchtig ist als Uberwinder des Feindes, wer kein Kampfhahn ist. Tüchtig ist ein Sin als Regierender bei Sin und Yü, der sich ihnen unterordnet. Es heißt: Nicht eifern, sondern vorangehen mit Echtem Leben! Es heißt: Ist Walter ein Sin, so gehe er voran als eine geistige Kraft! Es heißt: Seid im Einklang mit dem Reichshaupt! - So waren, die im Altertum an der Spitze standen."

Wie man die Schwarzen gebraucht

"Gebraucht man sie als Truppen im Kriege, so gelten die Worte: In der Verteidigung wage ich nicht, den Herrn zu spielen, sondern ich mache den Gast. Nicht wage ich, zollweise vorzustoßen, um dann fußweise zurückgeworfen zu werden. Beim Vorrücken, unsichtbar vorrücken! Beim Aufstellen der Schlachtordnung, unsichtbar die Schlachtordnung aufstellen! Beim Verfolgen dem Feinde unsichtbar sein! Macht man Gefangene, die Waffen abnehmen! Nichts ist unheilvoller, als wenn der Große vorgeht, weil er den Feind geringschätzt. Wer den Feind geringschätzt, weil er kleiner ist an Zahl, leidet Verluste beim Verteidigen des Kriegsschatzes. Eine alte Kriegsregel sagt: Das Heer (erst dann) vorstoßen lassen, wenn die Verstärkungen erkundet sind. - Wohl kann der Schwächere der Tüchtigere sein."

Man habe Kenntnis von den Widerständen

"Meine Worte sind sehr leicht zu verstehen und sehr leicht auszuführen. Und doch ist keiner von des Reichsoberhauptes Unterwaltern fähig, sie zu verstehen, keiner fähig, sie auszuführen. Diese Worte hatten die Urväter, diese Regierungsweise hatten ihre Obern: Helfen und Betreuen ist rein geistig Unterweisen. Richtig verhält sich, der nicht sein Ich lehrt. Wer sein Ich lehrt, verdirbt. Wer ein Beispiel gibt durch sein Ich, veredelt. Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er trägt ein härenes Gewand, das Inwendige ist sein Schatz."

Seine Fehler erkennen

"Seine Unkenntnis erkennen, ist das erste. Nicht erkennen, was erkennbar, ist fehlerhaft. Kann ein Helfer betreuen, wenn er Fehler über Fehler hat? Richtig verhält sich, der ohne Fehler ist. Der waltende Sin sei ohne Fehler. Wie dürfte man verwenden, der Fehler über Fehler hat? Richtig verhält sich der Fehlerlose."

Man schätze die Persönlichkeit

"Das eingeborene Volk soll man nicht verängstigen durch Schreckmittel. Die Großen, wahrlich, sie übertreiben ihre Schreckensherrschaft. Man befreie von Beschränkungen seine Dörfer in bezug auf das Wohnen! Man befreie von Beschränkungen seine Dörfer in bezug auf das Lebensgebahren! Die Helfer sollen Betreuer sein und nicht Unterdrücker! Richtig verhalten sie sich, wenn sie nicht unterdrücken. Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er erkennt sich selbst, aber er will nicht glänzen. Er liebt sich selbst, aber er sucht nicht Ehre für sich. - Die Alten sagten: "Tut ab, was vergangen, haltet euch an die Gegenwart!""

Pflichten der Volksbetreuer

"Wer kühn vorgeht, aber übermütig, ist ein Führer ins Verderben. Wer kühn vorgeht, ohne übermütig zu sein, ist ein Führer zum Leben. Von diesen beiden Arten bringt die eine Art Segen, die andere Unheil. Wer kennt die Ursachen, daß das Reich ins Verderben kam? Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er überlegt die Schwierigkeiten, die kommen können. Des Reichsoberhauptes rechter Weg ist: Nicht streiten, sondern durch Tüchtigkeit überzeugen, nicht Reden halten, sondern durch Tüchtigkeit sich Gehör verschaffen, nicht winken, sondern von selber herkommen lassen, milder Art sein und durch Tüchtigkeit zur Geltung kommen. Das Reich sei wie ein Schleppnetz, groß und weitmaschig, aber es entgehe ihm nichts."

Maßnahmen gegen Irregeführte

"Wenn die Eingeborenen den Tod nicht fürchten, wie kann man sie mit Todesstrafen schrecken? Wird gefolgt, wenn die Befehlenden das eingeborene Volk in Ordnung halten wollen durch Furcht vor der Todesstrafe, oder wenn diejenigen, welche regieren, Narren sind? Es ist verboten, Besitztum wegzunehmen, und getötet wird, wer wegnimmt. Es besteht das Gesetz: Wer den Befehl zur Hinrichtung gibt, vollzieht die Todesstrafe. Ferner: Wer als Vorsteher des Geschlechtes den Befehl gibt hinzurichten, vollzieht die Hinrichtung. Es heißt: Des Geschlechtes Ältester vollzieht die Hinrichtung. Würden aber die Hausväter und Dorfobern, welche die Hinrichtung vollziehen, ihren Besitz einschränken, wahrlich, es gäbe keine verbrecherischen Hände."

Die Habgierigen sind die Verbrecher

"Das Volk lebt im Hungerelend, weil seine Oberen zu viel Abgaben verschlingen; das ist in Wahrheit der Grund des Hungerelendes. Das Volk ist schwer in Ordnung zu halten, weil seine Oberen auf Besitz ausgehen bei ihrem Verwalten; das ist in Wahrheit der Grund, warum es so schwer in Ordnung zu halten ist. Das Volk nimmt das Sterben so leicht, weil seine Beter (Priester) auf Reichtum ausgehen in ihrem Leben. Nur solche, die als Walter über Sin und Yü helfen und betreuen, ohne an ihr Leben zu denken, sind in Wahrheit würdig, über den Wert des Lebens zu predigen."

Die Machtgier zähmen

"Die Sin kamen vorwärts im Wachstum, auch als sie noch schwach und jung waren; sie kamen in Verfall, als sie mächtig und stark geworden. Die eingeborenen Völker, wie Gräser und Bäume kamen sie vorwärts, auch als sie schwach und locker waren; nun verfallen sie ebenfalls, verwelkend aus Mittellosigkeit. - Die Alten sagten: "Des Mächtigen und Starken Begleiter ist der Verfall; des Zarten und Weichen Begleiter ist das Wachstun. - Richtig verhält sich, wer durch Waffen überwältigte, indem er ein Beispiel gibt, nicht indem er den Unterjocher macht. Der Baum in seiner Größe, wie ist er ein Beispiel des Opferns! Der Starke und Große verharre unten, auf daß die Kleinen und Schwachen nach oben kommen!"

Das Reichshaupt im Wege Gottes

"Das Reichsoberhaupt im Rechten Wege (tao), wie gleicht es einem Bogenspanner! Das Hohe drückt er nieder, das Niedrige erhöhet er. Er nimmt von denen, die in Fülle haben, daß er den Mangel der andern ergänze. Des Reichsoberhauptes Rechter Weg ist es, wo Überfluß ist, zu kürzen, wo Mangel ist, zu ergänzen. Weil aber bei den Sin Rechter Weg das Gesetz ist, so ist es nicht also: Man kürzt, wo Mangel ist, und läßt mit beiden Händen raffen, die Überfluß haben. Dürfen des Reichsoberhauptes Unterwalter Überfluß haben, wo sie doch erhoben wurden, mit zu dienen? Richtig verhält sich als Walter ein Sin: Er betreut das Volk und sucht nicht Nutzen, er läßt es seine Arbeit vollbringen und stellt sich nicht dazu. Er wünscht nicht angeschaut zu werden in seiner Würde als Vater der Gemeinde."

Vertrauen und Zuversicht

"Des Reichsoberhauptes Unterwalter seien sanft und milde! Es gibt nichts Uberwältigenderes als das Wasser, und nichts, was Hartes und Starkes angreift, vermag es zu übertreffen. Nichts vermag sich so anzupassen und seinen Gang zu ändern. Daß Sanftmut Härte überwindet und Milde Trotz überwindet, weiß jeder von des Reiches Unterwaltern, und doch ist keiner fähig, danach zu handeln? - Im Altertum gelobte der zum Walter berufene Sin: "Ich nehme es auf mich, wenn das Land in Unreinheit kommt", so sprach am Opferaltar beim Hirseopfer der Priesterkönig. - "Ich nehme es auf mich, wenn das Land in Unheil kommt", so sprach des Reichsoberhauptes Unterkönig. Wahrhaft sein in seinen Worten, ist (heute) so viel als ein Empörer sein."

Treue den Verpflichtungen

"Wenn die Großen einen Streit vergleichen, bleibt sicherlich ein Rest von Streit. Frieden zu wirken ist aber des Volksbetreuers Tugend. Richtig verhält sich daher der waltende Sin: Er hält seinen Teil des Vertrages und treibt nicht vom andern ein. Wer Echtes Leben hat, hält sich an den Vertrag; wer kein Echtes Leben hat, hält sich an die Forderung. Das Reichsoberhaupt, im Wege Gottes, hat keine Günstlinge; sein Grundsatz ist, den Tüchtigen zu begaben."

Eigenart und Selbstbestimmung

"Kleine Länder mit mäßiger Zahl eingeborenen Volkes! An Bediensteten ("Beauftragten") mögen sein ein Zehent Verwaltungsbeamte und der Sin ihre Altardiener, aber ohne diese gebrauchen zu müssen. Beauftragte des eingeborenen Volkes für die Ehrung der Toten, aber keine Fernherkommende und Umherreisende. Man treibe aus die Besitzer von Handelsschiffen und Kaufmannswagen und vernichte ihre Stapelplätze! Man treibe aus die Besitzer von Panzer und Waffen und vernichte ihre Rüstungsplätze! Die Beauftragten des eingeborenen Volkes sollen zurückkehren zu den geknoteten Schnüren und diese gebrauchen. Sie sollen schmackhaft finden ihres Volkes Speise, schön ihres Volkes Kleidung, behaglich ihres Volkes Wohnen, ergötzlich ihres Volkes Sitten und Bräuche. Und sähe man die Nachbargaue, wenn man durch die Bäume schaut, so nahe beisammen, daß man der Hähne und Hunde Geschrei gegenseitig hört: das eingeborene Volk gehe zu seinen Ältesten, wenn jemand gestorben ist. - Nicht gegenseitig sich besuchen und empfangen!"

Das Grundwesen offenbaren

"Wahrhaft seien die Worte, nicht schmeichlerisch! Schmeichelnde Worte sind nicht wahrhaft. Der Rechtschaffene redet nicht hin und her. Der hin und her redet, ist nicht rechtschaffen. Der Weise ist kein Vielwisser; wer nur Vielwisser ist, der ist kein Weiser. Als Walter sei der Sin kein Raffer, da er ja erhoben ist, um andere zu betreuen. Darf den eigenen Besitz vergrößern, wer erhoben wurde, um anderen zu geben? Des Reichsoberhauptes Rechter Weg ist: zum Gedeihen führen und nicht schädigen. Rechter Weg des waltenden Sin ist: die Hand halten über Sin und Yü und nicht eifern."
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